Ablauf & Kosten
Wie läuft die Therapie ab? Was ist bei der Abrechnung zu beachten?
Über Menschen, die immer zurechtkommen. Zumindest glauben das die anderen.
Als das Telefon klingelt, hat sie gerade den Tisch abgeräumt. Ihre Freundin ist dran. Schon an ihrer Stimme hört sie, dass wieder etwas passiert sein muss. Es geht um ihren Mann, mit dem sie seit Wochen streitet. Eigentlich möchte sie sich trennen, aber gestern hat er etwas gesagt, das ihr wieder Hoffnung gemacht hat.
Sie setzt sich an den Küchentisch und hört zu. Nach einer guten Stunde klingt ihre Freundin erleichtert. Sie bedankt sich, verspricht, sich bald wieder zu melden, und legt auf.
In der Küche ist es still geworden. Die Frau bleibt noch einen Moment sitzen. Am Nachmittag hatte sie selbst eine Nachricht erhalten, die sie beschäftigt. Nichts Dramatisches, jedenfalls nichts, worüber man sich gleich Sorgen machen müsste. Trotzdem hätte sie gern mit jemandem darüber gesprochen.
Sie nimmt das Telefon noch einmal in die Hand, blättert durch ihre Kontakte und legt es schließlich zurück.
Ihre Freundin hat gerade genug eigene Probleme.
Am nächsten Morgen wird sie eine Nachricht bekommen. Ein kleines Herz und die Worte: „Danke, dass du immer für mich da bist.“
Sie wird sich darüber freuen. Und gleichzeitig ein wenig traurig sein, ohne genau sagen zu können, weshalb.
Ein paar Straßen weiter sitzt ein Mann mit seinem alten Freund in einer Kneipe. Jeden zweiten Donnerstag treffen sie sich hier, seit vielen Jahren. Sie haben zusammen studiert, sind gemeinsam verreist und wissen Dinge voneinander, die sonst kaum jemand kennt.
An diesem Abend erzählt sein Freund von seinem neuen Auto, einer Auseinandersetzung im Büro und den Hochzeitsplänen seiner Tochter. Sie bestellen noch ein Bier, sprechen über Fußball und lachen über eine Geschichte aus ihrer Studienzeit.
Es ist ein schöner Abend. Wie fast immer.
Als sein Freund fragt, was es bei ihm Neues gibt, zuckt er mit den Schultern.
„Ach, nichts Besonderes. Alles beim Alten.“
Dabei stimmt das nicht ganz.
Seit seine Frau vor einem halben Jahr ausgezogen ist, schläft er schlecht. Abends sitzt er oft lange vor dem Fernseher, ohne wirklich hinzusehen. Seine Freunde haben sich nach der Trennung regelmäßig gemeldet. Auch seine Schwester ruft häufiger an als früher.
Er weiß, dass er nicht allein ist.
Trotzdem fällt ihm niemand ein, dem er erzählen möchte, wie still es manchmal in seiner Wohnung geworden ist.
Die beiden Menschen kennen sich nicht. Wahrscheinlich würden sie auch nicht auf die Idee kommen, sich als einsam zu bezeichnen.
Sie haben Freunde, werden eingeladen und führen ein Leben, in dem andere Menschen selbstverständlich vorkommen. Wenn jemand Hilfe braucht, sind sie da. Ihre Verlässlichkeit wird geschätzt, ihre Gesellschaft ist willkommen.
Und doch gibt es in ihrem Alltag Augenblicke, in denen ihnen etwas fehlt.
Vielleicht ist es die Selbstverständlichkeit, mit der man früher jemandem von seinem Tag erzählen konnte. Vielleicht das Gefühl, dass jemand bemerkt, wenn man ungewöhnlich still ist.
Es sind selten die großen Gesten, nach denen man sich sehnt. Oft sind es die kleinen Fragen, die nicht gestellt werden.
Dabei liegt es nicht unbedingt an mangelnder Aufmerksamkeit der anderen. Beziehungen entwickeln mit den Jahren ihre eigenen Gewohnheiten. Man kennt die Geschichten, die immer wieder erzählt werden, weiß, worüber man gemeinsam lachen kann, und ahnt schon vor einem Treffen, wie der Abend verlaufen wird.
Das kann sehr vertraut und angenehm sein.
Manchmal aber bleibt in dieser Vertrautheit wenig Platz für das, was sich verändert hat.
Die Frau am Küchentisch hat ihrer Freundin nie gesagt, dass sie selbst manchmal jemanden zum Reden braucht. Der Mann in der Kneipe hat nach seiner Trennung mehrfach versichert, dass er ganz gut zurechtkomme.
Die anderen haben ihnen geglaubt.
Warum auch nicht?
Einige Tage später trifft die Frau ihre Freundin zum Kaffee. Sie sprechen über Urlaubspläne und einen gemeinsamen Bekannten. Als die Freundin schließlich aufsteht, fragt sie beiläufig: „Und bei dir? Alles in Ordnung?“
Die Frau zögert.
Sie könnte jetzt von der Nachricht erzählen, die sie seit Tagen beschäftigt. Davon, dass sie schlecht geschlafen hat und sich manchmal fragt, ob sie in ihrem Leben etwas verändern sollte.
Stattdessen sagt sie: „Ja, alles gut.“
Die Freundin lächelt und zieht ihren Mantel an.
Auf dem Heimweg ärgert sich die Frau ein wenig über sich selbst. Niemand hat sie daran gehindert, etwas zu erzählen. Vielleicht hätte ihre Freundin sogar gern zugehört.
Aber der richtige Moment schien schon wieder vorbei zu sein.
Dem Mann geht es ähnlich.
Als er seinen Freund zwei Wochen später wiedertrifft, nimmt er sich vor, etwas mehr von sich zu erzählen. Er möchte sagen, dass ihm die Trennung noch immer zu schaffen macht und dass er sich manchmal fragt, ob er sich jemals an das Alleinleben gewöhnen wird.
Doch zunächst sprechen sie über andere Dinge. Irgendwann erzählt sein Freund von einem Streit mit seiner Frau, und als er schließlich sagt: „Aber du kommst ja ganz gut zurecht“, nickt der Mann.
„Ja, klar.“
Es ist eine Antwort, die ihm leichtfällt.
Er hat sie in den vergangenen Monaten oft gegeben.
Vielleicht liegt darin das Merkwürdige an dieser Form der Einsamkeit. Man vermisst etwas, das man selbst kaum noch einzufordern wagt. Man wünscht sich, verstanden zu werden, und macht es anderen gleichzeitig schwer, einen wirklich kennenzulernen.
Nicht aus Absicht. Manchmal fehlen einfach die Worte. Oder der Mut, ein vertrautes Gespräch plötzlich in eine andere Richtung zu lenken.
An einem Abend, einige Wochen später, sitzt die Frau wieder an ihrem Küchentisch. Sie hat gerade eine Nachricht ihrer Freundin gelesen, die sich für das letzte Gespräch bedankt.
Eine Weile betrachtet sie das kleine Herz auf dem Bildschirm.
Dann beginnt sie zu schreiben.
„Du, ich wollte dir neulich eigentlich noch etwas erzählen.“
Sie liest den Satz ein zweites Mal.
Und schickt ihn ab.
Zur gleichen Zeit sitzt der Mann wieder mit seinem Freund in der Kneipe. Diesmal ist es der Freund, der ungewöhnlich still wirkt. Seine Mutter ist schwer erkrankt, und er weiß nicht, wie es weitergehen soll.
Sie sprechen lange darüber. Zum ersten Mal seit Monaten hat keiner von beiden das Bedürfnis, eine schnelle Lösung zu finden.
Als sie schließlich aufbrechen wollen, fragt sein Freund: „Sag mal, wie geht es dir eigentlich inzwischen? So allein zu Hause?“
Der Mann hat seine Jacke schon halb angezogen.
Für einen Augenblick überlegt er, die übliche Antwort zu geben.
Dann setzt er sich wieder.
„Na ja“, sagt er. „So richtig gut ist es eigentlich nicht.“
Sein Freund legt die Jacke zurück auf den Stuhl.
Und diesmal bestellt keiner von beiden ein neues Bier.
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Freie Therapieplätze
Für Privatpatienten und Selbstzahler
Berlin Mitte, U-Bahn Stadtmitte, nahe des Gendarmenmarktes