Ablauf & Kosten
Wie läuft die Therapie ab? Was ist bei der Abrechnung zu beachten?
„Du musst nicht großartig sein, um anzufangen – aber du musst anfangen, um großartig zu sein."
— Zig Ziglar
Kurz erklärt: Prokrastination – auch bekannt als chronisches Aufschieben oder Aufschieberitis – bedeutet mehr als schlechtes Zeitmanagement. Wer dauerhaft aufschiebt, kämpft meist gegen innere Blockaden: Angst vor Versagen, überhöhte Ansprüche an sich selbst oder das Gefühl, nie gut genug zu sein. In unserer Psychotherapie-Praxis in Berlin Mitte helfen wir Ihnen, diese Muster zu verstehen und nachhaltig zu verändern.
Prokrastination ist das wiederholte, unnötige Aufschieben von Aufgaben – trotz des Wissens, dass es negative Konsequenzen hat. Der entscheidende Unterschied zu bewusstem Priorisieren: Beim Prokrastinieren weiß man, dass man handeln sollte – und tut es trotzdem nicht.
Das hat nichts mit Faulheit zu tun. Menschen, die unter chronischem Aufschieben leiden, denken oft mehr über ihre Aufgaben nach als andere – sie kommen nur nicht ins Tun. Dahinter steckt fast immer eine emotionale Dynamik, keine charakterliche Schwäche.
Jonas ist 26, studiert im letzten Mastersemester und steht kurz vor seiner Abschlussarbeit. Eigentlich hat er das nötige Wissen, die Ideen, sogar schon eine Gliederung. Und trotzdem öffnet er das Dokument seit Wochen nicht.
„Ich sage mir jeden Abend, dass ich morgen anfange. Dann kommt der Morgen – und ich putze die Wohnung, beantworte alte Mails, mache irgendetwas. Nur nicht das."
Was Jonas nicht sieht: Er schiebt nicht auf, weil er faul ist. Er schiebt auf, weil er Angst hat. Angst, dass die Arbeit nicht gut genug wird. Angst, dass sein Betreuer enttäuscht sein könnte. Angst, dass das Ergebnis zeigt, was er insgeheim befürchtet: dass er dem Studium vielleicht doch nicht gewachsen ist. Solange er nicht anfängt, kann er auch nicht scheitern.
(Name geändert, Beispiel fiktiv)
Prokrastination zeigt sich nicht immer als offensichtliches Nichtstun. Häufig versteckt sie sich hinter scheinbar produktivem Verhalten. Typische Anzeichen chronischen Aufschiebens sind:
Das Tückische: Je länger aufgeschoben wird, desto größer wird die innere Hürde – und desto stärker werden Scham und Selbstkritik.
Prokrastination ist selten ein Problem des Wollens – sie ist fast immer ein Problem des emotionalen Umgangs mit unangenehmen Gefühlen.
Wenn eine Aufgabe als Test der eigenen Person erlebt wird – „Wenn ich das nicht schaffe, bin ich nicht gut genug" –, wird das Anfangen zur Bedrohung. Aufschieben schützt vorübergehend vor diesem Gefühl, verstärkt die Angst aber langfristig.
Wer nur beginnen kann, wenn die Bedingungen perfekt sind, beginnt selten. Der perfekte Moment kommt nie – und die Aufgabe bleibt liegen. Perfektionismus ist einer der häufigsten Motoren von chronischer Aufschieberitis.
Menschen mit einem fragilen Selbstwert erleben Misserfolge nicht als Rückschläge, sondern als Bestätigungen: „Siehst du, ich bin wirklich nicht gut genug." Das macht jeden neuen Versuch riskant – und Vermeidung zur Schutzstrategie.
Manche Aufgaben fühlen sich so groß und unübersichtlich an, dass der erste Schritt kaum greifbar ist. Ohne klare Struktur wächst die innere Lähmung – und das Aufschieben wird zum Dauerzustand.
Kurzfristige Ablenkung – Smartphone, Social Media, kleine Erledigungen – gibt sofortige Erleichterung. Das Gehirn lernt: Vermeidung fühlt sich gut an. Dieses Muster verstärkt sich mit der Zeit und wird zunehmend schwerer zu durchbrechen.
Chronisches Aufschieben tritt besonders häufig in Übergangsphasen auf: beim Studienabschluss, beim Berufseinstieg, bei einer neuen Stelle oder nach einem Misserfolg. In diesen Momenten steigen die Anforderungen – und gleichzeitig steigt das Gefühl, besonders viel auf dem Spiel zu stehen.
Gerade Abschlussarbeiten konzentrieren den gesamten Druck des Studiums auf ein einziges Dokument. Das Ergebnis fühlt sich an wie ein Urteil über Jahre investierter Zeit. Kein Wunder, dass viele Studierende hier blockieren – und die Aufschieberitis ihren Höhepunkt erreicht.
Wer in einem neuen Job beweisen möchte, dass die Einstellung richtig war, steht unter besonderem Druck. Jede Aufgabe fühlt sich wie eine Prüfung an – und Aufschieben wird zum unbewussten Selbstschutz.
Prokrastination tritt selten allein auf. Fast immer sind andere Themen im Spiel, die sich gegenseitig verstärken.
Versagensangst ist der häufigste Motor hinter Prokrastination. Wer Angst hat zu versagen, vermeidet die Situation, in der das passieren könnte – und schiebt auf.
Perfektionisten warten auf den richtigen Moment, die richtige Stimmung, die perfekte Formulierung. Dieser Moment kommt selten – und die Aufgabe bleibt liegen.
Wer sich innerlich nicht sicher fühlt, meidet Situationen, in denen das sichtbar werden könnte. Prokrastination ist oft ein Symptom eines fragilen Selbstwerts.
→ Mehr zum Thema: Selbstwert stärken – Psychotherapie Berlin Mitte
„Bald merken sie, dass ich eigentlich nichts kann." Dieser Gedanke macht jeden Schritt nach vorne gefährlich – und verstärkt das Aufschieben.
→ Mehr zum Thema: Impostor-Syndrom – Psychotherapie in Berlin Mitte
Chronisches Aufschieben ist nicht immer „nur" ein Verhaltensmuster. Manchmal ist es ein Hinweiszeichen auf eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung. Die vier häufigsten Zusammenhänge:
Der Zusammenhang zwischen Prokrastination und Depression ist gut belegt – und er wirkt in beide Richtungen.
Wer aufschiebt, leidet. Schuldgefühle, Scham und das Gefühl, sich selbst im Weg zu stehen, nagen am Selbstwertgefühl. Über Zeit entsteht ein inneres Bild: „Ich schaffe das nicht", „Ich bin nicht so wie andere." Diese Überzeugungen sind klassische Verstärker depressiver Stimmung – und können, wenn sie sich festigen, eine depressive Episode mitauslösen.
Umgekehrt ist Antriebslosigkeit ein Kernsymptom der Depression. Aufgaben fühlen sich bleischwer an, der innere Anlauf fehlt, selbst kleine Schritte kosten enorme Energie. Was von außen wie Prokrastination aussieht, ist dann oft ein Symptom einer behandlungsbedürftigen Depression – kein Willensproblem. Wenn depressive Stimmung und chronisches Aufschieben gemeinsam auftreten, reichen Selbstmanagement-Techniken meist nicht aus.
→ Mehr zum Thema: Depression – Psychotherapie in Berlin Mitte
Prokrastination ist bei Angststörungen fast immer Vermeidungsverhalten – man meidet die angstauslösende Situation durch Aufschieben. Das gibt kurzfristige Erleichterung, verstärkt die Angst langfristig aber erheblich.
Bei der sozialen Angststörung meidet man Situationen, in denen die eigene Leistung sichtbar wird – eine E-Mail schreiben, einen Bericht abgeben, ein Gespräch führen. Bei der Generalisierten Angststörung sind es die diffusen Sorgen, die Handlungsfähigkeit blockieren: „Was, wenn etwas schiefgeht?" Diese Gedankenschleifen können jeden Schritt nach vorne lähmen – und Prokrastination zur Dauerbegleiterin machen.
→ Mehr zum Thema: Angststörungen – Psychotherapie in Berlin Mitte
Manche Menschen mit Zwangsstörungen können Aufgaben erst beginnen, wenn bestimmte innere Bedingungen erfüllt sind: wenn sich etwas „richtig" anfühlt, wenn ein bestimmtes Ritual abgeschlossen ist, wenn eine Gedankenschleife zu Ende gedacht wurde. Das verzögert den Start immer weiter – und sieht von außen aus wie Prokrastination, folgt aber einer anderen Logik.
Zwanghafte Kontrolle und Perfektionismus können außerdem dazu führen, dass Aufgaben gar nicht erst begonnen werden – aus Angst, sie nicht „richtig genug" erledigen zu können. Oberflächlich ähneln sich Prokrastination und Zwangsstörung, unterscheiden sich aber mechanistisch – eine sorgfältige diagnostische Einschätzung ist deshalb wichtig.
→ Mehr zum Thema: Zwangsstörung – Psychotherapie in Berlin Mitte
Prokrastination gehört zu den häufigsten Beschwerden von Erwachsenen mit ADHS – und wird dabei oft jahrelang falsch verstanden. Was Betroffene als Faulheit oder Willensschwäche erleben, hat in Wirklichkeit eine neurobiologische Grundlage: Bei ADHS sind die Exekutivfunktionen beeinträchtigt – also genau die Gehirnfunktionen, die für das Starten von Aufgaben, das Setzen von Prioritäten und das Aufrechterhalten von Konzentration zuständig sind. Selbst wenn die Motivation vorhanden ist, kommt der innere Startimpuls einfach nicht.
Besonders typisch bei ADHS-bedingter Prokrastination sind:
ADHS bei Erwachsenen bleibt häufig lange unerkannt, weil die Symptome im Kindesalter oft weniger auffällig waren oder kompensiert wurden. Emotionale Prokrastination und ADHS können auch gemeinsam auftreten und sich gegenseitig verstärken – eine genaue diagnostische Einschätzung ist deshalb wichtig, bevor eine Behandlung begonnen wird.
→ Mehr zum Thema: ADHS bei Erwachsenen – Psychotherapie in Berlin Mitte
Prokrastination ist kein Charakter- oder Willensproblem – und deshalb helfen Ratschläge wie „Reiß dich zusammen" oder „Mach einfach" meist nicht. In der Psychotherapie geht es um die Ursachen, nicht nur die Symptome.
Im ersten Schritt geht es darum zu verstehen, welche Gefühle das Aufschieben auslösen und welche es verhindern soll. Angst, Scham, Überforderung – diese Gefühle sind real und verdienen Aufmerksamkeit, keine Selbstkritik.
Viele Menschen, die prokrastinieren, haben bestimmte automatische Gedanken: „Das wird sowieso nichts", „Ich fange erst an, wenn ich mich bereit fühle", „Wenn ich es nicht perfekt mache, hat es keinen Sinn." In der kognitiven Verhaltenstherapie werden diese Muster sichtbar gemacht und schrittweise verändert.
Ein zentrales Ziel ist, wieder handlungsfähig zu werden – auch wenn sich etwas unangenehm anfühlt. Man muss sich nicht „bereit" fühlen, um anzufangen. Dieses Erleben ist oft ein entscheidender Wendepunkt in der Therapie.
Neben der emotionalen Arbeit erarbeiten wir gemeinsam praktische Strategien: kleine Schritte, realistische Ziele, hilfreiche Routinen – angepasst an Ihre konkrete Situation und Ihren Alltag in Berlin Mitte.
Scham und Selbstvorwürfe sind kein Antrieb – sie verstärken das Aufschieben. Ein mitfühlenderer Umgang mit sich selbst ist oft der erste Schritt aus der Prokrastinationsspirale heraus.
In unserer Privatpraxis am Gendarmenmarkt in Berlin Mitte behandeln wir Prokrastination als das, was sie ist: ein ernstzunehmendes psychisches Muster mit nachvollziehbaren Ursachen und wirksamen Behandlungsmöglichkeiten. Im Erstgespräch klären wir gemeinsam:
Auch beim Thema Prokrastination kann Gruppentherapie ein besonders wirksames Format sein. Im Austausch mit anderen Betroffenen erleben Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Ich bin nicht allein damit. Die Gruppe bietet einen geschützten Raum, um neue Verhaltensweisen direkt auszuprobieren – und gegenseitige Unterstützung, die motiviert und trägt.
Wir bieten eine spezialisierte Gruppentherapie zum Thema Selbstwert in Berlin Mitte an, in der Prokrastination als verwandtes Thema ebenfalls bearbeitet wird.
Prokrastination ist keine eigenständige Diagnose, aber sie kann ein Symptom verschiedener psychischer Belastungen sein – darunter Angststörungen, Depressionen oder ADHS. Wenn das Aufschieben den Alltag dauerhaft beeinträchtigt, ist eine professionelle Einschätzung sinnvoll.
Faulheit bedeutet, etwas nicht tun zu wollen. Prokrastination bedeutet, etwas tun zu wollen – und es trotzdem nicht zu schaffen. Die meisten Menschen, die prokrastinieren, leiden darunter. Das ist das Gegenteil von Faulheit.
Manchmal – aber nur, wenn das Problem tatsächlich organisatorischer Natur ist. Wenn hinter dem Aufschieben Angst, Perfektionismus oder ein geringes Selbstwertgefühl stecken, greifen Techniken allein nicht. Dann braucht es eine tiefere Auseinandersetzung.
Das hängt von den Ursachen ab. Wenn Prokrastination im Vordergrund steht und keine schwerwiegenden Begleitthemen vorliegen, sind oft schon wenige Sitzungen hilfreich. Bei tiefer verwurzelten Mustern braucht es mehr Zeit – das besprechen wir im Erstgespräch.
Ja. Wir bieten Therapie auch als Online-Videotherapie an – gleichwertig wirksam und besonders praktisch für Menschen, die im Alltag wenig Spielraum haben.
Prokrastination überwinden in Berlin Mitte – Termin (Behandlung auch als Online-Videotherapie) bei den Psychotherapeutinnen vereinbaren: (030) 979 827 85 oder Online-Terminvereinbarung
Wie läuft die Therapie ab? Was ist bei der Abrechnung zu beachten?
Freie Therapieplätze
Für Privatpatienten und Selbstzahler
Berlin Mitte, U-Bahn Stadtmitte, nahe des Gendarmenmarktes